Wir Helden im Rettungsdienst erheben ja das Kaffeetrinken zu einem Goldstandard in der kalendertäglichen Bewältigung unserer Arbeit, sei es im 12h oder 24h Dienst.
Die Kaffeemaschinen werden immer größer und schneller, über frisch gebrühten Kaffee zu verfügen erzeugt das Gefühl der Befriedigung und Zufriedenheit.
Ja, selbst die Kaffeetasse als Symbol des “coolen” Retters auf dem Armaturenbrett des Sprinters ist immer häufiger zu sehen.

Was dabei hinten herunterfällt ist jedoch die Tatsache, dass Koffein ein Suchtmittel mit allen Konsequenzen eines abhängig machenden Wirkstoffs ist. Was ebenfalls bedacht werden muss: Koffein ist nicht nur im Kaffee, sondern in einer Menge anderer Lebensmittel und Medikamenten auch enthalten. Der tatsächliche Konsum ist also deutlich höher, als man das für sich selber wahrnimmt.

Koffein wird in der vollen Dosis vom Körper aufgenommen und wirkt ca. 15 bis 30 Minuten nach der Aufnahme. Zwischen zwei und acht Stunden braucht der Körper, um 50% des aufgenommenen Koffeins auszuscheiden.
Man unterstellt Koffein eine stimulierende Wirkung, welche über mehrere Stunden anhält. Allerdings, wir haben ja auch viele Raucher in unseren Reihen, die Wirkung des Koffeins ist bei Rauchern vermindert. Womit der Raucher mehr Kaffee trinken muss, um eine Wirkung zu erzeugen, die der des Nichtrauchers entspricht, was problematisch werden kann, aber dazu später mehr.
Problematisch ist dann der Punkt, dass bereits ab etwa einem Gramm Koffein Vergiftungserscheinungen auftreten können.
Ein Gramm Koffein ist in etwa 10 Tassen Kaffee enthalten, und damit sind nicht die immer größer werdenden Eimer gemeint, die man überall käuflich erwerben kann, sondern normale Tassen á 200 ml. 200 Milligramm Koffein innerhalb kurzer Zeit sind unproblematisch, über den Tag verteilt bis zu 400 Milligramm vertragen sich auch gut.
Es ist also in erster Linie ein Matheaufgabe, ab wann man sich so langsam mit Koffein intoxikiert.

Vergiftungserscheinungen stellen sich in erster Linie im Sinne einer Übererregung dar. Erkennt man hier nicht, was gerade los ist und trinkt fröhlich weiter, dann folgen Krämpfe und Lähmungserscheinungen bis hin zum Atemstillstand.
Hierzu muss man dann aber schon mehr als 30 Tassen Kaffee inhalieren um in den “Genuss” dieser Form des Suizids zu kommen. Da dürfte allein schon der Toilettengang im Vorfeld lästig sein und den Plan unterbinden.

Manchmal ist Früchtetee vielleicht doch besser…


Koffein wirkt verschiedentlich auf den Körper:
Jeder freut sich auf Arbeit über die vom Koffein erzeugte Wachheit, die Anregung der Informationsverarbeitung und der eigenen Wahrnehmung. Auch fühlt man sich deutlich dynamischer und leistungsfähiger, durch eine Erweiterung der Bronchien ist man auch körperlich belastbarer und kann besser durchatmen. Die Verdauung wird angeregt, was natürlich Energie bereitstellt.
Eine Erhöhung der Kontraktionskraft des Herzens in Verbindung mit der Steigerung von Herzfrequenz und Blutdruck werden, bei einer entsprechenden Vorbelastung, schon nicht mehr von Jedem als so toll empfunden. Wobei Koffein auch eine erweiternde Wirkung auf die Blutgefässe im Körper haben soll, so lang diese sich nicht im Gehirn befinden. Denn hier werden die Gefässe eher verengt.
Auch die objektiv schwach, subjektiv stark, harntreibende Wirkung kann lästig sein, insbesondere im Einsatz…

Wie so oft im Leben gilt auch bei Kaffee die Losung “Die Menge macht das Gift.” Denn neben den vorgenannten Vergiftungserscheinungen, sowie den kurzzeitigen Wirkungen, kann Kaffee tatsächlich auch langfristig positive Wirkungen haben.
So soll moderater Kaffeegenuss das Risiko einer Diabetes Typ II Erkrankung senken, das Schlaganfallrisiko soll sinken, wenn man täglich drei bis vier Tassen zu sich nimmt. Auch das Risiko, an Herzrhythmusstörungen, insbesondere das Vorhofflimmern, zu erkranken, wird bei einem moderaten Kaffeekonsum gesenkt.
Kaffee kann noch in weiteren Bereichen gesundheitsfördernd wirken, allerdings wird dieser Vorteil natürlich durch Rauchen, Alkohol und einen unsteten Lebensrhythmus verspielt. Es macht also Sinn, sich nur auf den Kaffee zu konzentrieren.

Unstrittig scheint jedoch ein Gewöhnungseffekt von Kaffee auf den Körper zu sein. Ein regelmässiger Kaffeetrinker wird zwangsläufig seine Dosis erhöhen müssen, um die positiven Effekte des Kaffees auch auf Dauer erleben zu können. Der Raucher dann noch deutlich mehr.
Das kann dann irgendwann zu Übererregbarkeit und Angst- sowie Stresssymptomen führen. Auch der Effekt des “wach bleibens” wird nachlassen, bzw. kaum mehr spürbar sein, denn die Adenosinrezeptoren, an denen sich das Koffein bindet, um die Symptome der Müdigkeit zu blockieren, werden bei einem Menschen, welcher regelmässig Kaffee konsumiert, regelmässig neu und vermehrt gebildet.
Sollte dann eine regelmässige Kaffeezufuhr ausbleiben, dann kann es zu einem Entwöhnungseffekt führen, welcher sich in Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Misslaunigkeit, Müdigkeit, Übelkeit und Erbrechen äußert und einige Tage anhalten kann.

Letztlich ist die grösste Wirkung des Kaffees sicher psychischer Natur. Das “Funktionieren” am Morgen, das konzentrierte Arbeiten auch in der Nacht, alles ist möglich, weil man ja seinen Kaffee getrunken hat. Und damit dürfte der Kaffee für Generationen von Rettungsdienstlern den größten Effekt gehabt haben.

Und wer jetzt denkt “Na dann lass ich mal den Kaffee in großen Mengen weg, und trink einen Energydrink…!” Hier ist das alles noch viel schlimmer. Deutlich größere Mengen an Koffein, Zucker, Farbstoffen, Aromen… Das kann nicht die Alternative, insbesondere in großen Mengen sein.

Koffeingehalte im Vergleich

1 Tasse (150 Milliliter) Kaffee: 50-100 Milligramm je nach Stärke
1 Espresso: 50-60 Milligramm
1 Glas (200 Milliliter) Colagetränk: 30 Milligramm
1 Dose (250 Milliliter) Energy Drink: 80 Milligramm Koffein
1 Vollmilchschokolade (100 Gramm): 3-35 Milligramm


Quellen:
https://www.efsa.europa.eu/sites/default/files/corporate_publications/files/efsaexplainscaffeine150527de.pdf
https://www.lgl.bayern.de/lebensmittel/chemie/inhaltsstoffe/pflanzeninhaltsstoffe/koffein.htm#koffein_lebensmittel
https://www.krankenhaus-mol.de/downloads/files/39_kaffee.pdf
https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/gesund-ernaehren/energy-drinks-gesundheitsrisiko-fuer-vieltrinker-11212

Koffeinkonsum

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