Die Respiratorische Synzytial-Virus-Infektion (RS Virus)
Da momentan noch nicht genug Ärger um Viren da ist, breitet sich im Schatten des Coronavirus ein weiteres Virus aus, welches zwar bekannt ist, aber momentan besonders Kinderstationen an ihr Limit bringt. Der Respiratorische Synzytial-Virus, oder kurz RS Virus.

Das RS-Virus ist besonders für Frühchen gefährlich. Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/112983 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Veröffentlichung bitte unter Quellenangabe: “obs/AbbVie Deutschland GmbH & Co KG”

Das RS Virus ist ein RNA-Virus aus der Familie der Pneumoviridae und ist ein weltweit verbreiteter Erreger von akuten Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege in jedem Lebensalter und einer der bedeutendsten Erreger von Atemwegsinfektionen bei Säuglingen, insbesondere Frühgeborenen und Kleinkindern.

Bei Säuglingen und Kleinkindern bis zum Alter von drei Jahren ist der das RS Virus weltweit der häufigste Auslöser von akuten Atemwegsinfektionen. In den ersten drei Lebensmonaten können diese besonders schwer verlaufen. Sehr gefährdet sind Frühgeborene. Grundsätzlich können Infektionen mit RS-Viren, die vor allem in den Wintermonaten und im Frühjahr gehäuft vorkommen, jeden treffen. Während ältere Kinder und Erwachsene in aller Regel nur leichte, erkältungsähnliche Symptome entwickeln, greifen RSV-Infektionen in den ersten Lebensmonaten leicht von den oberen auf die unteren Atemwege über.
In ärmeren Ländern sind RSV-Infektionen nach der Malaria die zweithäufigste Todesursache im ersten Lebensjahr.

Auch wenn die Symptome und auch die Verbreitung des RS Virus oftmals der Influenza ähnelt, zeigte sich, dass im Mittel 0.2% der Fälle bei Kindern ohne bekanntes erhöhtes Risiko, 1,2% bei Frühgeborenen, 4,1% bei Kindern mit bronchopulmonaler Dysplasie und 5,2% der Fälle bei Kindern mit angeborenem Herzfehler tödlich verliefen.

Vermutlich wird eine Vielzahl an Kindern bereits am RS Virus erkrankt worden sein, ohne, dass dies auch als eine Erkrankung durch den RS Virus wahrgenommen wurde.
Momentan zeigt sich jedoch, dass insbesondere in Bayern der RS Virus für überfüllte Kinderstationen sorgt. Zwangsläufig wird somit auch der Rettungsdienst auf Kinder mit Dyspnoe, Unwohlsein und Fieber treffen.
Hier gilt es bereits im Einsatz, die Weichen für eine richtige Behandlung zu stellen.

Übertragung / Inkubationszeit / Dauer (Quelle RKI)
Die Übertragung erfolgt in erster Linie durch Tröpfcheninfektion von einer infektiösen Person auf eine Kontaktperson. Konjunktiven und Nasenschleimhäute bilden die Eintrittspforte. Es wird angenommen, dass eine Übertragung auch indirekt über kontaminierte Hände, Gegenstände und Oberflächen möglich ist. RSV kann in respiratorischem Sekret 20 Minuten auf Händen überleben, 45 Minuten auf Papierhandtüchern und Baumwollkitteln und bis zu mehreren Stunden auf Einmalhandschuhen, auf Stethoskopen und auf Kunststoffoberflächen. Jugendliche und Erwachsene spielen als asymptomatische oder symptomarme Überträger eine Rolle. Auch passiv gegen RSV immunisierte Kinder können vorübergehend Überträger von RSV sein, da die Antikörper nicht die Infektion der oberen Luftwege verhindern. Medizinisches Personal und andere Kontaktpersonen der Patienten können somit zu einer raschen, auch nosokomialen Ausbreitung beitragen, wenn Schutz- und Hygienemaßnahmen lückenhaft sind.
Die Inkubationszeit beträgt 2–8 Tage (durchschnittlich 5 Tage).
Die Dauer der Ansteckungsfähigkeit beträgt in der Regel 3–8 Tage und klingt bei immunkompetenten Patienten meist innerhalb einer Woche ab. Frühgeborene, Neugeborene, immundefiziente oder immunsupprimierte Patienten können das Virus über mehrere Wochen, im Einzelfall über Monate ausscheiden.

Symptome / Erkrankungen
Erste Symptome sind Schnupfen, nichtproduktiver Husten und eventuell Pharyngitis. Im Verlauf nimmt der Husten zu und auch die Atmung wird schneller, kann aber trotzdem das klinische Bild einer Dyspnoe darstellen.
Die Vollerkrankung stellt sich meist als Bronchiolitis, Pneumonie oder Tracheobronchitis dar. In wenigen Fällen kann es zu einem keuchhustenähnlichn Krankheitsbild kommen.
Meist haben die Patienten erhöhte Temperatur bis hin zu Fieber.
Neben der Dyspnoe kommt es zu einer Tachypnoe und dem Einsatz der Atemhilfsmuskulatur. Der Patient leidet an einem reduzierten Allgemeinzustand, an Schwäche, Erbrechen und Dehydratation.
Bei schwerem Verlauf kann es auch zu einer „stillen Obstruktion“ mit Tachypnoe und schlechter peripherer Kreislaufperfusion kommen, während bei der Bronchiolitis das exspiratorische Giemen im Vordergrund steht. Es kann zu einer Hyperkapnie, Hypoxämie und auch zu einer Zyanose kommen.
Die Auskultation der Lunge zeigt sowohl knisternde, als auch giemende Geräusche.

Therapie
Es steht die symptomatische Therapie im Vordergrund, auch ist eine konsequente Flüssigkeitszufuhr im Rahmen der geltenden SOPs durchzuführen. Wichtigster Punkt sollte die Auswahl des Zielkrankenhauses sein, welches neben einer Pädiatrie, bei einem entsprechend schwer erkrankten Patienten auch über eine Kinder ITS verfügen sollte.
Das Anfahren eines Hauses ohne entsprechende Voraussetzungen verzögert die Behandlung.

Hygiene / Desinfektion
Für den Rettungsdienst gilt bei einem Patienten mit dem Verdacht auf eine Atemwegserkrankung bzw. bei bestätigten RS Virus Befall die erweiterte Standardhygiene mit:

  • hygienischer Händedesinfektion vor und nach jedem Patientenkontakt
  • Tragen eines Mund-Nasenschutz FFP2, besser FFP3 Maske
  • Mund-Nasenschutz für den Patienten, soweit dieser dies toleriert
  • ggfs. Schutzbrille
  • Tragen eines Schutzkittels
  • und natürlich das Tragen von Einmalschutzhandschuhen

Im Anschluss an den Transport erfolgt bei einer Erregerausbreitung via Aerosol oder Tröpfcheninfektion eine Schlussdesinfektion entsprechend den Vorgaben RKI.
Bei Erregerausbreitung über Kontakt- und/oder Schmierinfektion wird das patientennahe Umfeld desinfiziert.

Quellen:
https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_RSV.html
Hygiene im Rettungsdienst App – Download im Apple App Store (https://apps.apple.com/de/app/hygiene-im-rettungsdienst/id1573619784)
Bild: obs/AbbVie Deutschland GmbH & Co KG

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